CAP vs Smile Rechtsschutz stellt einen modularen Klassiker der Allianz-Gruppe einem digitalen Helvetia-Produkt gegenüber. CAP privaLex bietet einen Baukasten mit bis zu CHF 750'000 Deckung pro Rechtsgebiet. Smile kombiniert Verkehrs- und optionalen Privatrechtsschutz in zwei Stufen (gold und silver) mit maximal CHF 300'000 pro Fall. Wir empfehlen CAP für Personen mit komplexen Rechtsrisiken und Smile für digital-affine Kunden mit Standardbedürfnissen.
Zwei verschiedene Produktphilosophien
CAP privaLex folgt dem klassischen Baukasten-Prinzip: Privatrechtsschutz als Kern, dazu optionale Zusätze Multi Risk, Verkehrsrechtsschutz und Selbständigen-Rechtsschutz. Du entscheidest, welche Bausteine du brauchst, und die versicherten Produktbausteine stehen in der Police.
Smile verfolgt einen einfacheren Ansatz: Der Verkehrsrechtsschutz (R.1) bildet die Basis, der Privatrechtsschutz (R.2) kann optional dazugebucht werden. Innerhalb jedes Moduls wählst du zwischen gold (höhere Deckung, breitere örtliche Geltung) und silver (Basisschutz). Die Risikoträgerin ist gemäss Art. G.10 der Smile AVB die Coop Rechtsschutz AG mit Sitz in Aarau.
Deckungssummen und Geltungsbereich
| Merkmal | CAP privaLex | Smile gold | Smile silver |
|---|---|---|---|
| Max. Deckung Schweiz/EU | CHF 750'000 | CHF 300'000 | CHF 250'000 |
| Max. Deckung weltweit | CHF 150'000 | CHF 50'000 (ausserhalb EU/EFTA) | CHF 30'000 (ausserhalb CH) |
| Karenzfrist Vertragsrecht | 90 Tage | 3 Monate | 3 Monate |
| Familienrecht | CHF 15'000, 1 Jahr Karenz | Ausgeschlossen | Ausgeschlossen |
| Arbeitsrecht | CHF 750'000 | CHF 300'000 (CHF 30'000 Limit ausserhalb EU) | CHF 250'000 (CHF 30'000 Limit ausserhalb CH) |
| Mietrecht | CHF 750'000 (Europa) | CHF 300'000 (weltweit) | CHF 250'000 (Europa) |
| Internet-Rechtsschutz | Nicht separat (über Vertragsrecht) | CHF 3'000 | Nicht versichert |
| Nachbarrecht | Nicht im Basisprodukt | CHF 3'000 | CHF 500 (Beratung) |
| Selbstbehalt | 10% (sofern vereinbart) | Keiner genannt | Keiner genannt |
Wo die Deckungssumme den Unterschied macht
Die Differenz zwischen CHF 750'000 (CAP) und CHF 300'000 (Smile gold) klingt theoretisch. In der Praxis wird sie relevant bei Arbeitsrechtsstreitigkeiten mit hohem Streitwert, bei Nachbarschaftskonflikten mit mehreren Instanzen oder bei Versicherungsstreitigkeiten mit der Krankenkasse. Gemäss Abschnitt A3 der CAP AB gilt die Versicherungssumme von CHF 750'000 pro Rechtsgebiet in der Schweiz und Europa. Bei Smile steht die maximale Summe von CHF 300'000 gemäss Art. 4.2 der AVB pro gedecktem Rechtsfall zur Verfügung.
Besonders auffällig: Smile limitiert viele Privatrechtsschutz-Bereiche in der gold-Variante auf CHF 30'000 ausserhalb Europas und in der silver-Variante auf CHF 30'000 ausserhalb der Schweiz gemäss den einzelnen Artikeln R.2.1.1 bis R.2.1.12. CAP bietet für die meisten Gebiete CHF 150'000 weltweite Deckung.
Smile silver: Nur Beratungsrechtsschutz in vielen Bereichen
Ein kritischer Punkt, den viele übersehen: In der Smile silver-Variante sind mehrere Rechtsgebiete auf Beratungsrechtsschutz (1 Beratung pro Jahr bis CHF 500) reduziert. Gemäss Art. R.2.1.9 der AVB erhält der Versicherte bei Nachbarstreitigkeiten in silver nur eine Beratung bis CHF 500, während gold CHF 3'000 Deckung bietet. Internet-Rechtsschutz (Art. R.2.1.8), Vermieterrechtsschutz (Art. R.2.1.5) und öffentliches Bau- und Planungsrecht (Art. R.2.1.11) sind in silver gar nicht versichert. Wer silver wählt, spart zwar Prämie, steht aber in vielen Situationen ohne echte Deckung da.
Ausschlüsse: Wo beide Produkte Lücken haben
Smile schliesst gemäss der Ausschlussliste der AVB unter anderem aus: Familienrecht, Konkubinat, Erbrecht, Wiedererlangung des Führerausweises, Fahrzeuge im entgeltlichen Personentransport und Teilnahme an Wettkämpfen. Auch Streitigkeiten unter Personen, die durch dieselbe Police versichert sind, sind nicht gedeckt.
CAP schliesst gemäss Abschnitt C1 der AB ebenfalls Streitigkeiten zwischen unter derselben Police Versicherten aus, macht aber eine Ausnahme für Familienrecht und Mediation bei Trennung laut Abschnitt C1 lit. u. Das ist ein relevanter Unterschied für Paare, die sich trennen.
Verkehrsrechtsschutz: Smiles Kernprodukt im Detail
Der Verkehrsrechtsschutz ist bei Smile das Basismodul, nicht der Privatrechtsschutz. Gemäss Art. R.1 der Smile AVB deckt er Rechtsstreitigkeiten aus der Teilnahme am Strassenverkehr oder im Zusammenhang mit Motorfahrzeugen. In der gold-Variante gilt die Deckung weltweit, in silver europaweit. Versichert sind unter anderem Schadenersatz, Strafverfahren, Administrativverfahren, Streitigkeiten mit Versicherungen und Vertragsstreitigkeiten im Zusammenhang mit Fahrzeugen. Für Fälle mit Mindeststreitwert unter CHF 300 besteht kein Versicherungsschutz.
CAP bietet den Verkehrsrechtsschutz als separaten Baustein B mit eigener Struktur. Gemäss Abschnitt B3 der AB deckt er Fahrzeugvertragsrecht, Sachenrecht, Versicherungsrecht, Patientenrecht, Opferhilfe, Strafrecht und Rechtsberatung ab, jeweils mit CHF 750'000 Deckung in der Schweiz und Europa. CAPs Verkehrsrechtsschutz ist breiter gefasst und höher gedeckt, aber als eigener Baustein separat zu buchen und zu bezahlen.
Meinungsverschiedenheiten: Unterschiedliche Verfahren
Was passiert, wenn der Versicherer einen Fall als aussichtslos ablehnt? Bei Smile kann die versicherte Person gemäss den allgemeinen Bestimmungen ein Schiedsverfahren verlangen. Bei CAP regelt Abschnitt C10 der AB das Vorgehen: Die CAP teilt ihre Ablehnung schriftlich begründet mit und weist auf die Möglichkeit eines Schiedsverfahrens hin. Der Versicherte kann innert 30 Tagen verlangen, dass ein Schiedsrichter die Angelegenheit beurteilt. Die Kosten werden in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt. Beide Verfahren bieten einen Weg zur Streitbeilegung, aber die Fristen unterscheiden sich.
Wer gewinnt für welche Zielgruppe?
- Familien: CAP. Familienrecht ist bei Smile nicht versicherbar, bei CAP mit CHF 15'000 Deckung enthalten. Für Familien mit Kindern ist das allein schon ausschlaggebend.
- Digital-affine Singles mit Standardrisiken: Smile gold. Der Abschluss ist einfach, die Deckung reicht für Alltagsfälle (Mietrecht, Konsumentenrecht, Arbeitsrecht). Wer keine Spezialrisiken hat, kommt mit CHF 300'000 aus.
- Eigentümer: CAP mit Multi Risk. Smile bietet Nachbarrecht nur bis CHF 3'000 (gold) bzw. CHF 500 Beratung (silver). CAPs Immobilienrechtsschutz ist über Multi Risk deutlich umfangreicher.
- Autofahrer, die nur Verkehr brauchen: Smile. Der Verkehrsrechtsschutz ist Smiles Kernprodukt und in gold mit weltweiter Geltung und keiner Wartefrist für Schadenersatz ausgestattet. CAPs Verkehrsrechtsschutz bietet ähnliche Deckung, ist aber als separater Baustein zu buchen.
Selbstbehalt und Leistungskürzung
CAP sieht gemäss Abschnitt C2 der AB einen optionalen Selbstbehalt von 10% der externen Kosten vor, sofern dies in der Police vorgesehen ist. Bei grober Fahrlässigkeit verzichtet CAP laut Abschnitt C5 auf Leistungskürzung, ausser bei Fahren in angetrunkenem Zustand oder unter Drogeneinfluss. Smile regelt die Leistungskürzung strenger: Bei grobfahrlässiger Herbeiführung des Rechtsstreits behält sich Smile das Recht vor, die Leistung entsprechend dem Verschulden zu kürzen. Einen expliziten Verzicht auf Leistungskürzung wie bei CAP nennen die Smile AVB nicht. Das kann im Ernstfall einen spürbaren Unterschied machen.
Die Wahl hängt an deiner Risikosituation
CAP und Smile bedienen unterschiedliche Segmente. CAP ist tiefer, breiter und teurer. Smile ist schlanker, digitaler und günstiger. Was zählt, ist nicht das Produkt, sondern ob es deine konkreten Risiken abdeckt. Hast du einen laufenden Arbeitsvertrag, eine Mietwohnung und ein Auto, reicht Smile gold vermutlich aus. Hast du Kinder, Eigentum oder eine Nebentätigkeit, brauchst du die Modultiefe von CAP. Welche Variante für deine Situation passt, klären wir in einer kostenlosen Analyse.
Quelle: CAP Rechtsschutz Versicherungsgesellschaft AG, Allgemeine Bedingungen privaLex Rechtsschutz, Ausgabe September 2023. Smile (Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG), AVB Rechtsschutzversicherung (smile.legal 2022.01), Ausgabe September 2021.