Die Smile Rechtsschutzversicherung ist das Online-Produkt der Helvetia-Tochter smile.direct. Wer Smile Rechtsschutz sucht, will wissen: Was bekommst du für dein Geld, und wo sind die Grenzen? Wir haben die AVB LEG 2022.01 vollständig gelesen und analysiert. Smile bietet ein modulares Produkt mit zwei Stufen (Gold und Silver) und einem Risikoträger, der nicht Helvetia selbst ist, sondern die Coop Rechtsschutz AG. Das klingt komplizierter als es ist, hat aber konkrete Auswirkungen auf deine Deckung.
Zwei Pakete, ein grosser Unterschied
Smile verkauft die Rechtsschutzversicherung in zwei Varianten: Gold und Silver. Beide enthalten den Verkehrsrechtsschutz als Basis. Der Privatrechtsschutz ist optional und muss gemäss Ziff. R.2 der AVB separat im Vertrag vereinbart werden. Das ist wichtig: Ohne Privatrechtsschutz hast du nur Deckung für Streitigkeiten im Strassenverkehr und rund ums Motorfahrzeug.
Die Unterschiede zwischen Gold und Silver sind grösser, als die Namensgebung vermuten lässt:
| Merkmal | Gold | Silver |
|---|---|---|
| Versicherungssumme pro Fall | CHF 300'000 | CHF 250'000 |
| Örtliche Geltung (Verkehr, Privat) | Weltweit | Europa |
| Internet-Rechtsschutz | Ja (CHF 3'000) | Nicht versichert |
| Vermieter vs. Mieter | Ja (CHF 3'000) | Nicht versichert |
| Öffentliches Bau- und Planungsrecht | Ja (CHF 3'000) | Nicht versichert |
| Fahrzeug-Vertragsstreitigkeiten (Verkehr) | Ja (CHF 3'000) | Nicht versichert |
| Kosten für ausländisches Gericht | Ja (CHF 3'000) | Nicht versichert |
Uns fällt auf: Silver ist nicht einfach eine günstigere Version von Gold. Silver schliesst ganze Bereiche aus, die im Alltag relevant werden können. Wer zur Miete wohnt und einen Streit mit dem Vermieter hat, ist mit Silver zwar als Mieter gegenüber dem Vermieter gedeckt (Ziff. R.2.1.4), aber die umgekehrte Richtung als Vermieter fehlt. Und Internet-Rechtsschutz, also Hilfe bei Online-Betrug oder Urheberrechtsverletzungen, gibt es nur mit Gold.
Was im Verkehrsrechtsschutz steckt
Der Verkehrsrechtsschutz gilt automatisch für alle Smile-Kunden. Versichert sind laut Ziff. R.1.1 die in der Police aufgeführten Personen als Eigentümer, Halter, Lenker, Fussgänger, Velofahrer oder Passagier. Mietfahrzeuge sind ebenfalls eingeschlossen (Ziff. R.1.2c).
Die wichtigsten Deckungsbereiche im Verkehr:
- Schadenersatz gegenüber Verursacher: Keine Wartefrist, Mindeststreitwert CHF 300. Gold weltweit, Silver Europa.
- Strafverfahren: Keine Wartefrist. Bei Vorsatzdelikten wird gemäss Ziff. R.1.3.2 erst nach Freispruch oder Einstellung des Verfahrens bezahlt.
- Administrativverfahren: Keine Wartefrist, aber Fälle rund um die Wiedererlangung des Führerausweises und medizinische Abklärung der Fahreignung sind ausgeschlossen.
- Streit mit Versicherung/Krankenkasse: 3 Monate Wartefrist, Mindeststreitwert CHF 300.
Die Abwehr von Schadenersatzansprüchen ist im Verkehrsrechtsschutz nicht versichert (Ziff. R.1.3.1e). Das ist kein Smile-spezifisches Problem, sondern Branchenstandard, weil deine Haftpflichtversicherung diesen Part übernimmt.
Der Privatrechtsschutz im Detail
Wer den Privatrechtsschutz dazubucht, erhält ein breites Leistungspaket. Die Deckung umfasst Schadenersatzforderungen, Strafverfahren, Arbeitsrecht, Mietrecht, Krankenkassen-Streitigkeiten, obligationenrechtliche Verträge und mehr. Für die meisten Privatrecht-Bereiche gilt eine Wartefrist von drei Monaten.
Zwei Ausnahmen bei der Wartefrist verdienen Beachtung: Die Geltendmachung von ausservertraglichem Schadenersatz (z.B. jemand beschädigt dein Eigentum) und Strafverfahren gegen dich sind sofort ab Versicherungsbeginn gedeckt, ohne Wartefrist.
Ein Detail, das viele übersehen: Bei Streitigkeiten mit Krankenkasse, Versicherung oder Pensionskasse gilt laut Ziff. R.2.1.3 im ersten Versicherungsjahr eine Leistungsbeschränkung von nur CHF 3'000 pro Fall. Erst ab dem zweiten Jahr greift die volle Summe. Wer also wegen einer laufenden Krankenkassen-Streitigkeit eine Rechtsschutz abschliesst, wird im ersten Jahr kaum ausreichend gedeckt sein.
Ausschlüsse, die du kennen musst
Die generellen Ausschlüsse in Ziff. G.7 sind umfangreich. Kein Rechtsschutz wird gewährt bei:
- Streitigkeiten zwischen Mitversicherten: Wenn du und dein Partner beide auf der Police stehen, könnt ihr nicht gegeneinander klagen.
- Vorsätzliche Straftaten: Bei Vorsatzdelikten erfolgt die Kostenübernahme laut AVB nur nach Freispruch oder Verfahrenseinstellung. Wird das Verfahren durch einen Vergleich oder eine Entschädigung eingestellt, werden keine Kosten übernommen.
- Inkasso und abgetretene Forderungen: Reines Geldeintreiben ist nicht versichert.
- Erbenforderungen: Forderungen, die auf dich als Erbe übergegangen sind, sind ausgeschlossen.
- Darlehensverträge und Konkubinat: Im Bereich obligationenrechtliche Verträge (Privat) sind Streitigkeiten aus Darlehensverträgen und Konkubinat gemäss Ziff. R.2.1.7 nicht versichert.
Ebenfalls nicht bezahlt werden Bussen, Schadenersatzzahlungen an Dritte und Kosten für öffentliche Beurkundungen (Ziff. G.6d). Zugesprochene Prozess- und Parteientschädigungen musst du an Smile abtreten.
Coop Rechtsschutz als Risikoträger
Ein Punkt, der bei Smile oft untergeht: Der Risikoträger für die Rechtsschutzversicherung ist nicht Helvetia, sondern die Coop Rechtsschutz AG mit Sitz in Aarau (Ziff. G.10). Smile.direct versicherungen ist eine Zweigniederlassung der Helvetia in Dübendorf, die als Vertrieb und Verwaltung fungiert. Im Schadenfall hast du ein direktes Forderungsrecht gegenüber Coop Rechtsschutz.
Das ist kein Nachteil. Coop Rechtsschutz ist ein spezialisierter Rechtsschutzversicherer mit eigenem Rechtsdienst und jahrzehntelanger Erfahrung. Die Leistungsabwicklung liegt also bei einem Spezialisten, nicht bei einem Generalisten.
Unser Urteil
Smile Rechtsschutz Gold ist ein solides Produkt. CHF 300'000 Versicherungssumme, weltweite Geltung, und die Abwicklung über Coop Rechtsschutz bringt Fachkompetenz. Der Beratungsrechtsschutz (1 Beratung pro Jahr bis CHF 500, Ziff. R.1.3.6) ist ein nettes Extra für Fragen, die nicht in eine der Hauptkategorien fallen.
Vom Silver-Paket raten wir ab. Die fehlenden Bereiche (Internet-Rechtsschutz, Vermieter-Streitigkeiten, Bau- und Planungsrecht) sind genau die Situationen, in denen eine Rechtsschutzversicherung besonders sinnvoll ist. Der Preisunterschied zwischen Gold und Silver rechtfertigt diese Lücken nicht.
Was uns weniger gefällt: Die Leistungsbeschränkung auf CHF 3'000 im ersten Jahr bei Krankenkassen- und Versicherungsstreitigkeiten ist ein Stolperstein. Und die Limiten von CHF 3'000 für Internet-Rechtsschutz, Nachbarrecht und Baurecht (selbst bei Gold) sind knapp bemessen. Wer in diesen Bereichen umfassendere Deckung braucht, sollte Alternativen wie Dextra oder TCS prüfen.
Ob Smile Gold für deine Situation die richtige Wahl ist, hängt von deinem Haushalt, deinem Fahrzeugbestand und deiner Wohnsituation ab. Ob du den Privatrechtsschutz brauchst, wie relevant die Einschränkungen im ersten Versicherungsjahr für dich sind und welche Alternativen in Frage kommen, klären wir in einer kostenlosen Analyse.
Quelle: smile.legal Rechtsschutzversicherung, AVB LEG 2022.01, Ausgabe September 2021.